Saturday, December 09, 2006

Das ist Spanien

Hier eine Begebenheit im spanischen Supermarkt, die ich euch nicht vorenthalten möchte:)
Schon beim Betreten der Mercadona-Filiale deutet sich an, dass dies kein gwöhnlicher Einkauf werden soll - die Alarmanlage schrillt!Die Verkäuferin an der nächstliegenden Kasse lässt sich in keinster Weise aus der Ruhe bringen und lächelt mir freundich zu.
Derart ermutigt betrete ich nun ganz das Geschäft und lasse mich von den vorweihnachtlichen Genüssen nicht nur in die Abteilungen verleiten, die meine Einkaufsliste vorgesehen hat... Bis dahin läuft alles wie am Schnürchen, ich gehe zur Kasse, wo glücklicherweise nur eine Kundin vor mir steht, die bereits dabei ist, ihre Einkäufe auf das Band zu legen. Zur Unterhaltung meinerseits und zur Überbrückung der Wartezeit hat sie ihre kleine Tochter dabei, die mich auch sofort charmant anschäkert und mich in eine Spanisch-für-Kinder-Konversation verstricken möchte. Da sie diese jedoch auf flüsternde Weise führen will und mein Gehör auf seine alten Tage doch schon etwas nachlässt bleibt es bei dem Versuch.
Zum Trost schenke ich ihr einen Bonbon und eine rosa Bueroklammer im Megaformat, die sie freudestrahlend ihrer Mamá zeigen will, was jedoch einiges an Aufwand erfordert, da diese gerade zu einer neuen Runde durch die Wunderwelt der bekanntesten spanischen Supermarktkette aufgebrochen ist, da sie die erste offensichtlich ohne einkaufsliste absolviert hat. Waehrend Mama und Toechterchen um die Kunden Slalomlaufen laechle ich mir mit der netten Verkaeuferin verschwoererisch zu - wir haben beide unseren Spass. Schon sind die beiden zurueck. Da faellt mir mit Schrecken ein, dass ich ebenfalls etwas vergessen habe und auch die Mama macht sich noch ein drittes Mal auf den Weg - die uebrigen Kunden in der Schlange beobachten interessiert das Spektakel und beginnen, erste Kontakte zum Vor-/Hinterschlangensteher zu knuepfen - Einkaufen verbindet!
Als ic zurueckkomme ist die Verkaeuferin gerade dabei, der Tochter meinen Bonbon auszuwickeln - wir sind alle eine grosse Mercadona-Familie. Mama bezahlt, ich auch, habe aber genau einen Cent zu wenig. Macht nix, die Verkaeuferin ist und bleibt nett und laesst mich ohne Cent, dafuer aber mit erneutem Ausloesen der Alarmanlage passieren. So macht Einkaufen Spass, schade dass es nicht jedes Mal so lustig ist!

Es weihnachtet

Wer hätte das gedacht? Auch in Alicante kann es kalt werden! Ich sitze frierend in meinem Zimmerchen und wärme mich am Anblick meiner Vanilleduftkerze, denn Heizung gibt es hier nicht (ist eher ein mittel- und nordeuropäisches Konzept). Die Alicantiner bereiten sich mittlerweile eifrig auf das Weihnachtsfest vor, die breiteren Straßen werden von Lichterketten überspannt (was einen interessanten Kontrast zu den Palmen am Straßenrand ergibt), Mercadona hat seine Weihnachtskollektion aus dem Lager geholt und in die Regale verfrachtet und an jeder Ecke gibt es jetzt Turron zu kaufen (und zu verkosten;6).

Tuesday, November 28, 2006

Fotoerklaerung

So, jetzt noch die ueberfaellige Fotoerklaerung:

1.Bild: Sonnenuntergang in der Sierra Nevada vor unserem Aufstieg zum Mulhacín.
2.Bild: Campusgelaende in San Vicente, in dem Gebaeude hatte ich im September den Sprachkurs.
3.Bild: Hafen von Alicante.
4.Bild: Die "Moros y Cristianos" in Calpe.
5.Bild: Auf dem Gipfel des Mulhacín:)
6.Bild: Tja..das habt ihr wahrscheinlich aufgrund eurer guten Schulbildung eh alle laengst erkannt!

Das naechste Mal erfolgt die Veroeffentlichung dann etwas professioneller...;)

Monday, November 27, 2006

Entspannt in meiner Zweitwohnung:)

Halloe (das sieht ja aus!) ihr Lieben!

Ja, also die Zweitwohnung ist eigentlich gar nicht meine Zweitwohnung, sondern gehoert zum Marcos, aber mittlerweile bin ich hier auch schon fast zu Hause - sei es zum Film gucken (mit dem Uebersetzer gleich daneben), Kochen (meistens muss ich mich aber nur noch an den gedeckten Tisch setzen), Neuigkeiten austauschen, Musik hoeren. Da mir im Moment nichts wahnsinnig Spektakulaeres einfaellt, ich aber auch all den treuen Seelen, die immer wieder mal meinen Blog heimsuchen, endlich mal wieder neue Lektuere anbieten will, folgt jetzt ein kleiner Schwank aus der letzten Woche!
Freitagabend war ich hier zum ersten Mal im Kino - erfreuliche Entdeckung: Auch hier gibt es Alternativkinos (bin da waehrend meiner Aufenthalte im schoenen Sachsenlande ja ziemlich verwoehnt worden)! Ich habe mir mit ein paar Freunden einen Dokumentarfilm ueber eine Salzkarawane im Himalaya angesehen, die einem sehr gut wieder einmal vor Augen gefuehrt hat, unter welch schwierigen Umstaenden ein Grossteil der Menschen wohnt! Allerdings war es doch eine sehr merkwuerdige Erfahrung, die Menschen aus Tibet spanisch sprechen zu hoeren - Untertitel waeren sehr viel authentischer gewesen!
Danch ging's weiter zu einem kostenlosen Flamencokonzert im Jamboree und gaaanz muede zurueck nach Hause.
Am Samstag bin ich doch tatsaechlich zur Uni geradelt (allerdings um zu klettern, gibt dort einen winzigen Kletterhallenverschnitt, nicht um zu lernen...) und habe praktischerweise auch gleich einen Kletterer angetroffen, mit dem ich mich fuer den Sonntag zum draussen Klettern verabredet habe, stammt aus der Schweiz, ist aber halb Armenier und spricht ausserdem noch tuerkisch. Samstag nachmittag habe ich mich einer Trommelgruppe der Uni angeschlossen, musste aber ohne Vorwarnung erstmal eine Stunde lang brasilianische Samba tanzen bevor das eigentliche Trommeln begann! Am Abend sind der Che (Marcos) und ich nach San Vicente geradelt um kostenlos (da Open Air) ein Konzert von Fito&Fitipaldis anzuhoeren (die machen richtig gute Rumhuepfmusik!), ganz gemuetlich mit Weinchen auf einem Platz ausserhalb der Konzertarena (sonst haetten wir naemlich 20 Euro berappen muesssen).
Der Sonntag stand dann ganz im Zeichen des Kletterns - diesmal gings nach Forada, ein Klettergebiet, das ca. 40min von Alicante entfernt ist. Und wen treffen wir sofort bei der Ankunft auf dem Parkplatz? - Die Cora, mit der ich ganz am Anfang mit zwei Spaniern ab und zu mal Klettern gegangen bin!! Die (Kletter-)welt ist ein Dorf, oder, wie man hier sagt, ein Taschentuch:)

Friday, November 17, 2006





Monday, November 06, 2006

Ihr Lieben!

Ein Gruß zur guten Nacht, wo auch immer auf dieser großen, bunten, für einen Menschen nicht fassbaren Welt ihr euch befindet:)
Ich habe gerade wohl eines der schönsten Gedichte meines Lebens gelesen, nur leider stammt es von Pablo Neruda (soll heißen, ist auf Spanisch verfasst). Da ich aber all den Spanischunkundigen dieses Juwel nicht vorenthalten will, habe ich es zu nächtlicher Stunde rohübersetzt - also bitte zurücklehnen und sich den Worten ganz hingeben...

PABLO NERUDA

Den verlässt das Leben, der sich von der Macht der Gewohnheit versklaven lässt,
jeden Tag die selben Wege geht, nie eine neue Richtung einschlägt,
sich nicht traut, eine neue Farbe auszuprobieren und
mit niemandem spricht, den er nicht kennt.

Den verlässt das Leben, der sich nie von dem Gefühl der Leidenschaft mitreißen lässt,
der lieber Schwarz als Weiss sieht, fuer den der korrekt gesetzte I-Punkt alles bedeutet und der Taumel der Gefuehle nichts,
jener Wirbel der Emotionen, der einem paar strahlender Augen den Glanz verleiht,
den Lustlosen lachend aus seinem Sumpf zieht,
mit tapferem Herzen den Hindernissen entgegentreten -
Gefuehle.

Den verlässt langsam das Leben, der nicht den Tisch umstößt,
wenn er mit seiner Arbeit unzufrieden ist,
der die Gewissheit nie gegen das Ungewisse eintauscht,
um über seine Träume hinauszuleben,
der nicht wenigstens einmal in seinem Leben die Stimme der Vernunft unbeachtet lässt.

Den verlässt langsam das Leben, der nicht reist,
nicht liest, nicht Musik hört,
der nicht in sich selbst Erfüllung findet.

Den verlässt langsam das Leben, der seine eigene Liebe zerstört,
der sich nicht helfen lässt.

Den verlässt langsam das Leben, der sich zeitlebens über sein Pech
und den unaufhörlichen Regen beklagt.

Den verlässt langsam das Leben, der ein Projekt aufgibt bevor er es beginnt,
der nicht nachfragt, wenn er etwas nicht kennt,
oder nicht antwortet, wenn er gefragt wird, auch wenn er die Antwort weiß.

Lasst uns dem unmerklichen sanften Tod ausweichen,
in dem Bewusstsein,
dass Leben viel mehr bedeutet,
als nur zu atmen.

Monday, October 30, 2006

Ueber Straende und Mehr

Zunaechst der aktuelle Wetterbericht: Alicante-sonnig, windstill, dreissig Grad werden erwartet...
Aus den soeben uebermittelten Informationen laesst sich dann auch ohne groesseren Formelaufwand ermitteln, wo ich mich in den letzten zwei Tagen hauptsaechlich aufgehalten habe - richtig, am Strand von Alicante, auch Postiguet genannt. Dazu ein paar kurze Eindruecke: seeeehr viele Sonenanbeter, einige Badegaeste, erstaunlich viele (angesichts des FKK-Verbots) freizuegige Damen jeglichen Alters und jeglicher Statur, dazu junge Damen asiatischer Abstammung, die Massagen anbieten (gegen Entgeld, versteht sich), ein staendig belegtes Volleyballfeld und eine witzige Tafel fuer solitaere Tischtennisspieler (haben auch einen ergrauten Herrn in roter Badehose gesehen, der ganz begeistert dabei war, sich den Ball um die Ohren zu hauen). Natuerlich darf auch das Maxibon-Eis nicht fehlen (Ina: Ich hoffe, ihr habt euch in Madrid noch diesem Genuss hingegeben!).
Von Mittwoch bis Freitag hat mich ein Stueck Heimat (heimge/)besucht - Ina und Sylvio waren die ersten, die sich getraut haben;) Mit Tapas und Eis essen, Strand-, Markt- und Campusbesuch verging die Zeit wie im Flug! Am Samstag war ich dann in einer Spanisch-WG zum gemeinschaftlichen Kochen und Essen eingeladen (ist die Ex-Wg einer deutschen Freundin hier), wobei der Plan entstand, demnaechst mal einen "deutschen Abend" durchzufuehren...
Am Mittwoch ist wieder mal Puente - ich werde mich einer Wandergruppe anschliessen, die einen der umliegenden Berge besteigen will. Und naechste Woche beginnt dann ein sechsmonatiger Kurs, der einen auf zukuenftige Voluntariate im sozialen und im Umweltbereich vorbereiten soll, ich bin gespannt!

Monday, October 23, 2006

Das letzte Wochenende

Wie schoen!! Auch in Alicamte kann frau also in den Genuss von Ska-Musik kommen, alles eine Frage der richtigen Internetseite und eines aufmerksamen Beobachterblickes im Alicantiner Stadtgeschehen (an jeder halbwegs geeigneten Flaeche haengen Plakate mit Ankuendigungen fuer Konzerte, ERASMUS-Parties (uebe mich in Enthaltsamkeit), Liederabende, Schoenheitsoperationen, Autoverkaeufe...). Fuer Ska- und Reggaebegeisterte Leute ist hier das Jamboree zu empfehlen, dort habe ich auch schon ein Konzert der Band "Fnkfabrik" aus Berlin (!!!) besucht sowie letzten Freitag besagtes Skakonzert.
Erkenntnisse: Auch den Spaniern gefaellt Ska (habe noch nie so viele Leute so dicht aneinandergedraengt gesehen, da war Tanzen kaum moeglich-Spass hat's trotzdem gemacht!), nur der Porrokonsum ist ungefaehr zehnmal so hoch - Marihuana ist hier das Normalste auf der Welt, auch bei uns auf der Terrasse steht eine Pflanze und wird gehegt und gepflegt (kann schon sein, dass beim Abendessen auf der Terrassse ab und zu ein lieblicher Duft herueberweht...). Noch extremer ist der Mitbewohner vom Marcos, der hat gleich ein ganzes Zimmer der Marihuanapflanzenzucht verschrieben und laesst das Licht jetzt dauerbrennen (kein Kommentar). Am selben Abend war dann auch noch ein Hospitalityclubmitglied aus dem scheenen Bayern eingetroffen (hatte ich an Marcos weitervermittelt), so dass wir uns mit der ebenfalls ueber den HC gekommenen Mitbewohnerin von Marcos und Eloy einen internationalen Abend gemacht haben (uuuh...das Deutsch, es leidet...): Argentinien-Ungarn-Deutschland-Bayern.
Am Samstag abend bin ich dann mit zwei Freunden nach Calpe gefahren, liegt ca. 1,5 Stunden von Alicante entfernt und scharft den Blick fuer all das, was Alicante NICHT zu bieten hat: mediterranes Flair, einen spektakulaeren Felsen im Meer, der bewandert und beklettert werden kann, niedliche kleine Gassen, Wandmalereien (damit ist nicht Graffitti gemeint) und vor allem: die Fiesta "Moros y Cristianos", in der die Rueckeroberung resp. Verteidigung spanischen Territorriums gegen die Mauren dargestellt und ausgiebig gefeiert wird. Zunaechst wurden wir Zeugen eines pompoesen Umzugs, der so knappe vier Stunden gedauert und an dem so ungefaehr ganz Calpe auf die ein oder andere Weise teilgenommen hat-ausgefallene Kostueme, exotische Musik und ein frenetisch feierndes Publikum liessen mich dazu verleiten, grob geschaetzt 150 Fotos zu knipsen... (ab morgen habe ich dann endlich meinen Laptop und kann euch Beweismaterial vorlegen!!). Ausklang fand die Fiesta in einer die Nacht zum Tage machenden Dauerfete mit traditioneller Blasmusik (mit Pauken und Trompeten laesst sich's am Treffendsten beschreiben) und viiiiel mehr oder weniger harmlosen Getraenken... Hoehepunkt war fuer mich die Entscheidung, die Feier spontan in den Vorraum einer Bank zu verlegen und bei laufender Ueberwachungskamera nochmal so richtig aufzudrehen:)
Soo, die Uni ruft, bald mehr!