Tuesday, September 19, 2006

Hola;) Heute endlich wieder ein paar Geschichtchen aus und ueber Spanien!
Zunaechst der aktuelle Wetterbericht: ca. 35 Grad und wolkenloser Himmel, dafuer aber wie immer eine hohe Luftfeuchtigkeit. Gerade in den ersten Tagen kommen die meisten Neuankoemmlinge aus dem Schwitzen gar nicht mehr heraus - ein unschlagbares System, um Erasmusstudenten zu erkennen! (Ich musste mir mehrmals das Lachen verkneifen, wenn sich wieder mal ein transpierierender Trupp vor dem Anzeigetafeln versammelt hatte, mit der einen Hand Nummern von potentiellen WGs abschrieben und sich mit der anderen den Schweiss abwischten.) Dazu kommt, dasss der Luftdruck in Alicante sehr hoch ist, da die Stadt ja auf Meereshoehe liegt. Kopfschmerzen und der bestaendige Wunsch, sich in sein Bett zu verkriechen (letzteres wurde mir zumindest berichtet) sind die Folge. Aber auch hier kehrt langsam der Herbst ein - zwar ist es tagsueber noch extrem warm, dafuer aber morgens und abends recht frisch - eh' man sich daran gewoehnen kann, hat man sich schon eine Erkaeltung zugezogen!
Bevor's jetzt aber weiter geht, will ich - auf Anfrage zweier Damen hin - euch auch an meinen Paris-Erlebnissen teilhaben lassen: Die Zugfahrt im Schlafwagen von Berlin nach Paris verlief bestens - ausser mir waren noch ein Deutscher, zwei nette Englaenderinnen und zwei Kanadier auf Rucksacktour quer durch Europa im Abteil. Mit Dirk habe ich mich dann erstmal noch zwei Stunden unterhalten, weil wir auf Anhieb eine faszinierende Gemeinsamkeit und ergiebiges Gespraechsthema gefunden haben: ERASMUS! Denn, wie sollte es auch anders sein, auch er entpuppte sich als Gesandter selbiger Organisation!... Das hat mich dann doch etwas nachdenklich gestimmt - da verlasse ich das elterliche Nest um auf eine spannende Auslandsreise zu gehen und komme mir ganz unsagbar mutig vor und gleich das erste Wesen, mit dem ich eine Kommunikation beginne, zeigt mir. dass ich nur eine von ich weiss nicht wievielen Tausend bin! Dirk hatte sich fuer Montpellier entschieden.
In Paris wurde ich dann von Jean-Pierre (einem ehemaligen Erasmusstudenten - nein so ein Zufall!) in Empfang genommen. Nachdem wir meine Batallon an Gepaeckstuecken sicher in einem etwas unter Wasser stehenden Gepaeckaufbewahrungsraum verstaut hatten, ging's zunaechst mit der Metro zur Sacre Coeur am Montmartre, wo wir tatsaechlich noch zwei Sitzplaetze in einem suessen Café mit fantastischer Sicht, hinauf zur Sacre Coeur ergattern konnten. Bei Chocolat und Croissant (der Aussichtszuschlag war im Preis mit inbegriffen!) konnte ich Deutschland hinter mir, und mich vom Pariser Flair umweben lassen. Nach dem Fruehstueck haben wir der Sacre Coeur dann auch von innen einen Besuch abgestattet und gleich unbeabsichtigt einer kleinen Messe beigewohnt. Von dort aus haben wir uns treiben lassen: Zu dem suessen kleinen Kuenstlerviertel, das gleich an die Sacre Coeur anschliesst, zum Arc de Triomphe, sind die Seine entlang spaziert, haben Fotos von der Notre Dame im Abendsonnenschein gemacht, vornehm dinniert (bei den gesalzenen Preisen ueberkomt einen interessanterwiese ein ungeheurer Appetit auf Salat), sind auf den Champs Elysées flaniert sowie durch Zufall in ein unterirdisches Einkaufszentrum geraten, das mir ganz ungeheuer riesig vorkam und als Einkaufsmoeglichkeit zumindest von der Pariser Jugend exzessiv genutzt wird (die Pariskenner unter euch koennen mir in einem Kommentar ja noch mal den Namen verraten - hab ich naemlich vergessen - ach so, Kommentare koennen jetzt auch Nicht-Mitglieder schreiben). Dort habe ich witzigerweise genau den Laden wiedergefunden, in dem ich vor ca. sieben Jahren waehrend eines Schueleraustausches eine meiner absoluten Lieblings-CDs gekauft habe! Diesmal habe ich vorsichtshalber gleich zwei gekauft, falls es wieder sieben Jahre dauern sollte... Ueber soviel Paris habe ich dann etwas die Zeit aus den Augen verloren und beihnah den Nachtzug in Richtung Grenze verpasst - ein Schlusssprint quer durch den Bahnhof hat mir dann einen weiteren Tag verpasster Sprachkurs in Spanien erspart!
Am naechsten Morgen wollte ich dafuer gar nicht mehr aussteigen - freundlicherweise wurde die letzte Station in einer Lautstaerke angesagt, die dann selbst mich aus meiner Schlafstarre gerissen hat; also in Windeseile alles zusammengepackt und aus dem Zug gehupft - dreckig, verschwitzt und voellig verschlafen habe ich das erste Stueck spanischen Boden betreten, um mich gleich darauf in das Bahnhofsbistro zu hieven und einen starken Café zu bestellen!

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